Stadtteilzentrum in Bilbao geräumt – Ihmeplatz 8 besetzt

Heute Abend gegen 21:30 wurde ein Ladengeschäft am Ihmeplatz 8 in Hannover besetzt.

Wir wollen uns mit dieser Aktion solidarisch mit den, von der Räumung des Kukutza Betroffenen zeigen. Wir haben vor, solange wie möglich in dem Gebäude zu bleiben.

Wenn alles gut geht, gibt es in den näxten Tagen Vokü, Film- und Kulturprogramm.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit der Kampagne Ahoi, die vor drei Monaten aus einer 5 Tage andauernden Besetzungsaktion hervorgegangen ist. Ziel der Kampagne ist Gentrifizierungsprozesse sichtbar und angreifbar zu machen und ein Autonomes Stadtteilzentrum für Linden zu erkämpfen!

1 Räumung=100 Neubesetzungen

Folgender Text wurde an die Anwohner_innen verteilt:

Am Morgen des 21.9 wurde das seit 13 Jahren besetzte Stadtteil- und Kulturzentrum Kukutza in Bilbao (Spanien) geräumt

Heute Abend gegen 21:30 wurde ein Ladengeschäft am Ihmeplatz 8 in Hannover besetzt.

Wir wollen uns mit dieser Aktion solidarisch mit den Menschen zeigen, für die dieses Zentrum über Jahre hinweg von großer Bedeutung war. Das Kukutza war tief im Stadtteil verwurzelt.

Regelmäßig fanden dort Nachbarschaftsessen, Kulturveranstaltungen sowie Sprach- und Tanzkurse statt. Auch für Kinder bot es zahlreiche Möglichkeiten.

Viel von dem, das in über einem Jahrzehnt gemeinsam erarbeitet wurde, ist jetzt verloren.

Die Polizei ging bei dem Angriff auf das Kukutza mit äußerst brutalen Mitteln vor.

So wurde mit Gummischrot auf sich versammelnde Menschen geschossen, was zum Teil zu schweren Verletzungen führte. Immer wieder fanden sich Anwohner_innen zu spontanen Demonstrationen zusammen, um gegen die Räumung zu protestieren.

Das Haus soll nun abgerissen werden. Der neue Eigentümer plant dort Wohnraum zu schaffen, obwohl es in Bilbao derzeit einen Leerstand von etwa 2000 Wohnungen gibt.

Wir sind wütend und betroffen, gerade weil wir wissen, dass der Angriff auf das Kukutza kein Einzelfall ist. Diese Räumung steht im Zusammenhang mit Umstrukturierungsprozessen, die in vielen größeren Städten weltweit zu beobachten sind: Unkommerziell genutzte Räume verschwinden, Wohnraum, der für alle bezahlbar ist, wird knapp und öffentliche Einrichtungen werden zunehmend privatisiert. Die Entwicklung der Städte orientiert sich nicht an den Bedürfnissen ihrer Bewohner_innen sondern folgt einer Profitlogik, die für die allermeisten eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen bedeutet.

Diese Prozesse, die auch in Hannover und insbesondere im Stadtteil Linden wahrnehmbar sind, werden wir nicht hinnehmen. Dass Menschen nach Jahrzehnten aus ihren Wohnungen vertrieben werden ist kein Einzelfall. Immer wieder wird ehemals preiswerter Wohnraum saniert und in teure Eigentumswohnungen verwandelt. Ein Beispiel dafür ist das Hinterhaus in der Limmerstraße 56: Dort nahm sich ein Bewohner, der auf Druck des Investors nach Jahrzehnten seine Wohnung verlassen sollte, das Leben. Und genau diese Investmentfirma plant nun, die kleinen Geschäfte an der Limmerstraße 3-5 (z.B. Radio Menzel, Falafel Habibi) rauszuschmeißen und durch einen Discounter zu ersetzen.

Das gesamte Stadtbild verändert sich in Linden seit Jahren schleichend. Einerseits entstehen immer mehr teure Läden und schicke Cafes, nach denen niemand gefragt hat und auf der anderen Seite geraten öffentliche und soziale Einrichtungen unter großen Druck. Die geplante Schließung der Stadtbibliothek an der Limmerstraße ist da nur ein Beispiel.

Mit unserer Besetzung soll dauerhaft ein unkommerzieller Ort geschaffen werden, an dem sich Menschen gegen innerstädtische Verdrängungsprozesse organisieren können.

Die Forderung nach einem Stadtteilzentrum in Linden ist jedoch nicht neu. Bereits vor drei Monaten wurde das vom Abriss bedrohte Gebäude Limmerstraße 98 besetzt. Die Räumung erfolgte nach 5 Tagen. Doch damit war es nicht zu Ende: Die Kampagne Ahoi entstand und ist seitdem durch einige Aktionen in die Öffentlichkeit getreten – z.B. durch Straßenfeste, einen Rave und auf dem Limmerstraßenfest.

Mit der heutigen Aktion wollen wir vor allem eines deutlich machen: Räumungen von selbstverwalteten Zentren, egal an welchem Ort, werden nicht einfach hingenommen und im besten Fall folgen auf eine

1Räumung = 100 Neubesetzungen.

Während den Tagen der Besetzung wird es Essen zum Selbstkostenpreis geben, Filme werden gezeigt und ein kleines Kulturprogramm ist in Planung.

Freundinnen und Freunde des „Kukutza III Gaztetxea“ und der „Kampagne Ahoi!“ Für ein autonomes Stadteilzentrum in Linden

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6 Kommentare zu “Stadtteilzentrum in Bilbao geräumt – Ihmeplatz 8 besetzt

  1. Schade, dass mein Kommentar nicht mit umgezogen ist. Daher nochmal hier: ihr habt ja schon viel krudes Zeug geschrieben und nutzt das Internet offenbar nur als Promotion- denn als Diskussionsplattform. Aber das ist doch mit Abstand das dümmste was bisher von euch veröffentlicht wurde: „Einerseits entstehen immer mehr teure Läden und schicke Cafes, nach denen niemand gefragt hat“ – das ist nicht wirklich euer ernst, oder?

  2. Tut uns Leid, wir hatten den neuesten Artikel quasi „neuverfasst“ anstatt ihn aus der DB zu holen, deinen Kommentar haben wir erst hinterher gesehen.

    Zum Kommentar: Was genau meinst du denn was nicht unser Ernst sei? Erläutere doch bitte ein bißchen.

  3. Also ich bin jetzt ein halbes Jahr nicht mehr in Linden gewesen. Aber damals waren Läden wie die Lieblingsbar oder das Cafe Wahls oder auch das nicht ganz billige Doppelkorn immer äußerst gut gefüllt – wo da also die schicken Cafes entstehen, nach denen angeblich keiner fragt ist mir da nicht ganz ersichtlich! Und Läden nach denen wirklich keiner (oder nicht genügend) fragen wie das Anna Limma machen dann ja auch wieder zu…

  4. Übrigens: zu eurer Kritik an der Sanierung von Wohnungen. Ich habe das zweifelhafte Glück in unsaniertem Altbau zu wohnen. Da schimmelt uns zwar die Wand im großen Stile, aber hauptsache der Wohnraum bleibt bezahlbar!

  5. So war das nicht gemeint – Linke und Gentrification

    Gentrification ist bei Link(sradikal)en in aller Munde. Auch in Hannover hat die Debatte (und auch Aktionen) seit der Hausbesetzung der Limmer98 an Fahrt gewonnen. Es scheint endlich wieder möglich Mietenwucher und Immobilienspekulation benennen zu können.

    Dienstag, 27.09.2011 | 20.00 Uhr | UJZ Korn | Hannover-Nordstadt

    Vortragsmitschnitt von Andrej Holm aus Wien.

    Gentrification meint aber vor allem den schleichenden Prozess der Verdrängung – nach der Definition ausgelöst von sog. Pionieren, zu denen auch die subkulturelle linke und autonome Szene gehört. Haben wir also selbst Schuld, sind mehr TäterInnen als Opfer der Stadtentwicklung?

    In dem Film, der einen Vortrag Andrej Holms in Wien dokumentiert, wird diese Frage diskutiert. Der Aktivist und promovierte Soziologe Holm kommt selbst aus der autonomen Linken und ist an MieterInnen-Kämpfen beteiligt. In dem Vortrag stellt er daher nicht nur Definition und Dynamik der Gentrification vor – er bezieht sich auch auf die Widerstände von aktivistischer Link(sradial)en.

    Was das alles mit uns und unseren Wohnsituationen in Hannover zu tun hat und wie wir Entwicklungen beeinflussen können und ob wir das überhaupt wollen, dass müssen wir dann selbst diskutieren.

    Organisiert von der FAU-Hannover

  6. @ mettskillz: Siehst Du denn nicht, dass die Stadtgebiete, welche nicht so stark unter dem Fluch der autofreundlichen Wiederaufbausünden leiden müssen auf Grund ihrer Lage, Struktur und historisch bedingten kulturellen Vielfalt in den letzten 10-20 Jahren in den Fokus der _profit_orientierten Investorengruppen gerückt sind, da sich dort mit einer intelligenten Kombination aus „Aufwertung“ und anschließender Durchkommerzialisierung besonders gut Geld generieren lässt? Was glaubst du wer von dieser Umwälzung am Ende profitieren wird? Die einzigen, die von all dem profitieren, sind die Investoren und ihre Handlanger. Weder Du noch sonst einer, der nicht von dieser Umverteilung profitiert, wird etwas davon haben.

    Den kommerziellen Einheitsbrei aus Glas und Stahl hat man heutzutage in jeder deutschen Innenstadt, es geht nur noch um den Konsum. Die eigentliche Kultur, die das Leben in einer Gesellschaft doch erst interessant macht, verschwindet im Kommerzsumpf.

    Der Protest gegen Gentrifizierung richtet sich nicht gegen die Sanierung baufälliger Immobilien,
    in Schimmel soll niemand hausen!
    Dem gesamtgesellschaftlichen Prozess der Bildung zweier Klassen, einer wohlhabenden Elite
    die von oben herab diktiert wo es langgeht, und einer stummgeschalteten, seelenlosen und brav konsumierenden Mainstreammasse, dem gilt es entgegenzutreten, und zwar hier und jetzt! Es ist 5 vor 12!

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