Salzburg Ahoi!

Steigende Mieten und die Verdrängungen ärmerer Schichten aus innenstadtnahen Lagen sind nicht nur ein Problem in Hannover oder anderen deutschen Großstädten. Auch im benachbarten Ausland wird Gentrifizierung zunehmend als Problem begriffen, welches das soziale Gefüge der (Stadt-)Gesellschaft weiter gefährdet. Anders als in Hannover und insbesondere in Linden wird allerdings nicht mehr darüber debattiert, ob Segregationsprozesse stattfinden und ob diese nun gut oder schlecht sind, sondern es wird etwas dagegen unternommen.

Hierbei wird immer wieder die Wichtigkeit des sozialen Wohnungsbaus betont, wenn es darum geht ärmere Schichten in bestimmten (Wohn-)Lagen zu halten. Dass in diesem Zusammenhang in Linden, sowie in der gesamten Landeshauptstadt Hannover immer weniger Belegrechtswohnungen vorgehalten werden ist ein Skandal. Wie es anders gehen kann, zeigt das Beispiel Salzburg.

Um sich die Gegebenheiten vor Ort anzusehen reisten einige Mitglieder der Kampagne Ahoi in die viertgrößte Stadt Österreichs. Neben gemeinsamen Aktionen und einem Austausch mit Aktiven vor Ort, stand auch unser Interesse am „Salzburger Wohnungsfonds“ im Vordergrund unseres Besuches. Über die Situation vor Ort, sowie die mögliche Anwendbarkeit auf Hannover möchten wir hier kurz berichten:

Neben den allgemein vorherrschenden Verdrängungstendenzen wirkt sich in Salzburg der starke Tourismus rund um die historische Innenstadt deutlich verschärfend auf die Situation am Mietmarkt aus. Wohnungen unterhalb von zehn Euro pro m² sind nicht zu finden und 12- 14 Euro eher die Regel.

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Dieser Entwicklung begegnen die Stadt und das Bundesland Salzburg seit einigen Jahren mit dem Salzburger Wohnbaufonds. Als dieser am 1.1.2006 seine Arbeit aufnahm verfügte er über ein Startkapital von 95 Millionen Euro. Das Geld wurde durch das Land zu äußerst günstigen Konditionen aufgenommen und verbilligt als Wohnbaudarlehen weitergeben. Durch Rückflüsse, die sich aus den Einnahmen der realisierten Projekte speisen, füllt sich der Fonds immer wieder und wächst an. Durch das Ausschalten der Banken und externen Finanziers und dadurch sehr niedrigen Zinssätzen, bekommen alle, die die Wohnbauförderung in Anspruch nehmen günstigere Bedingungen. Dies beschert dem Projekt eine hohe Nachfrage, sodass die Mittel weiter aufgestockt wurden und allein für das Jahr 2013 über 300 Millionen Euro im Fonds eingeplant sind, um damit, wie es offiziell heißt, „lebenswertes und erschwingliches Wohnen finanzieren und darüber hinaus die Sanierungsoffensive fortsetzen“ zu können.

Mit Hilfe des Wohnbaufonds und gemeinnütziger Wohnungsgenossenschaften entstehen so in naher Zukunft knapp 300 Mietwohnungen für nicht einmal fünf Euro kalt pro m². Und zwar nicht irgendwo am Rande der Stadt, sondern in unmittelbarer Nähe zum Salzburger Bahnhof.

Der Erfolg des Wohnbaufonds findet nun erste Nachahmer in anderen europäischen Städten und Gemeinden.

Mit leichten Modifikationen lässt sich das Modell sicherlich auch auf Deutschland anwenden, über eine Einführung wurde, zum Beispiel in Karlsruhe, auch bereits diskutiert.

Dort war ein Modell im Gespräch, dass sich vor allem auf drei Säulen stützte: auf öffentliche Förderung, einen gemeinnützigen Bauträger sowie den vollständigen Verzicht auf Bankkredite.

Gewiss wäre dies auch für Hannover sinnvoll. Derzeit laufen die Belegrechte oftmals nach 30 Jahren aus. Eine gemeinnützige städtische Wohnungsgenossenschaft könnte im Gegensatz zu privaten Trägern auch darüber hinaus günstige Mieten garantieren.

Die Reise nach Salzburg hat gezeigt, wie wichtig der Austausch untereinander ist und wir haben viele gute Ideen mitgenommenen. Außerdem hatten wir ein paar nette Tage im Schnee. Mal sehen was die Zukunft so bringt, der Frühling kann kommen.

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Das Wochenende ging nicht ganz spurlos vorbei…

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