Stadtteilzentrum statt Eigentumswohnungen

Kurz vor dem Jahreswechsel haben wir erfahren, dass die ehemalige Polizeiinspektion in der Gartenallee vom Immobilienfonds Whitehall an Privatinvestoren verkauft wurde. Das Whitehall sich von diesem Gebäude trennte war ein längst überfälliger Schritt. Allerdings ging damit auch die Möglichkeit verloren sich gütlich mit dem Immobilienfonds über eine Zwischen- bzw. Nachnutzung zu einigen. Da die neuen Eigentümer, anders als der Vorbesitzer, Pläne für das Gebäude haben, wird sich der Kampf um ein Stadtteilzentrum nun schwieriger gestalten. Dabei hängen der Aufwand und die Maßnahmen unseres Widerstandes auch von den Plänen des Eigentümers ab. Ein Kindermuseum, das ebenso wie das von uns favorisierte Stadtteilzentrum der Öffentlichkeit zugänglich gewesen wäre, hätte sogar unsere Unterstützung gefunden. Weitere Eigentumswohnungen empfinden wir jedoch als Hohn und Angriff auf die von uns in den letzten Jahren geleisteten Bemühungen und auf alle, die sich Eigentumswohnungen nicht leisten können.
Deswegen haben wir kurz nach Neujahr unseren Unmut zum Ausdruck gebracht und Banner an der Fassade der Stephanusvilla befestigt. Das Gebäude wurde dieses Mal danach wieder verlassen. Wir wissen allerdings, dass die Zeit gegen uns arbeitet und der Einzugstermin bereits für 2013 vorgesehen ist. Auch wenn wir hier bereits jetzt versprechen können, dass dieser Termin nicht eingehalten wird, so müssen wir unsere Anstrengungen erhöhen und werden zwangsläufig nicht um eine Besetzung des Gebäudes herum kommen.
Zum jetzigen Zeitpunkt suchen wir aber zunächst ausdrücklich den Dialog. Ob es dabei bleibt, oder Eigentümer und Stadt den Konflikt eskalieren lassen, wird die Zukunft zeigen.
Gartenallee
Stephanusvilla am Morgen des 03. Januar

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PM: Kampagne Ahoi besucht Verfassungsschutz

Nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass die Besetzer_innen der ehemaligen Polizeiinspektion West vom Verfassungsschutz beobachtet werden, haben sich am Samstag spontan ein dutzend Menschen vor dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport versammelt um gegen Überwachung zu protestieren. Dabei wurden Transparente entrollt und die Abschaffung des Verfassungsschutzes gefordert. „Mit Rückgriff auf die Extremismusformel wird emanzipatorische Gesellschaftskritik mit nationalsozialistischer Ideologie gleichgesetzt und kriminalisiert. Diese Unzumutbarkeit gilt es mit all ihren institutionalisierten Auswüchsen in die Geschichtsbücher zu katapultieren.“, sagt Paula Ozgül, Sprecherin der Kampagne Ahoi. Die Aktion war nur von kurzer Dauer und wurde noch vor dem Eintreffen der Polizei beendet.

Die Kampagne Ahoi setzt sich seit der Räumung der Limmerstraße 98 im Juni letzten Jahres für ein autonomes Stadtteilzentrum in Linden ein und macht seitdem vor allem durch Hausbesetzungen von sich Reden. Der Verfassungsschutz hat Hinweise darauf, dass die Ziele der Kampagne über ein Stadtteilzentrum hinaus reichen und sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richten. „Klar wenden wir uns gegen eine kapitalistische Gesellschaftsordnung, in der unterschiedliche Lebensentwürfe keinen Platz finden.,“ fügt Paula hinzu. „Da machen wir doch kein Geheimnis draus.“

Bullenwache schon wieder besetzt…

…so war es heut morgen auf indymedia bzw. in einer Pressemitteilung die uns gestern Nacht schon erreichte zu lesen. Uns bleibt dazu wohl nur zu sagen da können wir uns voll und ganz anschließen. Hier der Text des Artikels:

Knäste zu Baulücken! Bullenwachen zu Autonomen Zentren!

Zum Jahreswechsel haben wir kurzzeitig die ehemalige Polizeiinspektion West besetzt. Mit der symbolischen Besetzung solidarisieren wir uns nicht nur mit der Forderung der Kampagne Ahoi nach einem autonomen Stadtteilzentrum, sondern beziehen uns mit der Wahl des Ortes auch darauf, dass der Jahreswechsel traditionell Solidaritätsaktionen für Gefangene und der Kritik an der Institution Gefängnis  gewidmet ist.

Dass Gefängnisse notwendig und unausweichlich sind, ist in den Köpfen der meisten Menschen fest verankert. Dabei hat das System Knast nicht die historische Kontinuität, die es vermuten lässt, sondern ist eng mit den Funktionsweisen des jeweiligen Gesellschaftssystems verknüpft. Knäste in der Form, wie wir sie kennen, gibt es erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es ist kein Zufall, dass in diese Zeit die Entstehung von Nationalstaaten mit einer bürgerlichen Rechtsauffassung sowie die zunehmende industrielle Produktion fallen. Knäste lösen ein System direkt körperlich wirkender Strafen ab (denn mit der aufkommenden Industrialisierung hatte niemand mehr ein Interesse an verstümmelten Arbeiter_innen) und setzen an ihre Stelle den Entzug der Freiheit und die Disziplinierung der Gefangenen zu funktionsfähigen Arbeiter_innen. Dabei dient das Knastsystem dem Staat als Mittel der Kontrolle, Unterdrückung und letztlich auch Ausbeutung derer, die nicht verwertbar sind oder sein wollen.

Heute sitzen weltweit  Millionen Menschen in Gefängnissen. Die meisten von ihnen, anders als in den Medien propagiert, wegen Eigentumsdelikten. Diese Delikte stehen im Widerspruch zur Eigentumslogik des kapitalistischen Systems. Es geht also bei der Sanktionierung von Diebstahl und Raub nicht um die vermeintliche Sicherheit der Bevölkerung, sondern um die Sicherheit der herrschenden Wirtschaftsordnung.

Auch unsere heutige Aktion stellt einen Bruch mit dieser herrschenden Ordnung dar. Wir akzeptieren es nicht, dass viele Bereiche unseres Lebens ökonomischen Interessen folgen sollen, anstatt sich an unseren Bedürfnissen zu orientieren. Wir akzeptieren nicht, dass unsere Wohnräume Spekulationsobjekte sind. Wenn wir die Befriedigung unserer elementaren Bedürfnisse jenseits dieser Logik organisieren wollen, laufe wir Gefahr kriminalisiert zu werden. Die herrschenden Verhältnisse setzen auf Individualisierung. Doch um widerständig und selbstbestimmt  handeln zu können, ist es notwendig sich in allen Lebensbereichen kollektiv zu organisieren. Aneignung und Organisierung von Wohnraum ist ein Teil dieses Prozesses.

Im Jahr 2011 gab es in Hannover so viele Hausbesetzungen wie seit Jahren nicht mehr. Bereits im Februar wurde ein Haus in der Schaufelder Straße besetzt. Anlass war die Räumung eines Wohnprojektes in der Liebigstraße in Berlin. Weiter ging es im Juni mit der Besetzung eines von Abriss bedrohten Hauses in der Limmerstraße 98. Viele Anwohner_innen solidarisierten sich mit der Besetzer_innen und erkannten die Notwendigkeit eines selbstverwalteten, unkommerziellen Raumes in Linden. So entstand nach der Räumung die Kampagne Ahoi, die sich gegen Verdrängungsprozesse durch steigende Mieten und für ein autonomes, also selbstverwaltetes Stadtteilzentrum einsetzt. Im September organisierte die Kampagne eine Solidaritätsaktion mit den von einer Räumung betroffenen Nutzer_innen eines Kulturzentrums im Baskenland. Besetzt wurde ein leer stehendes Ladengeschäft im Ihmezentrum. Schon zwei Monate später folgte die nächste Besetzung. Am 11.11.11 sollte in der ehemaligen Polizeiinspektion West das Autonome Stadtteilzentrum Linden erstmals seine Tore für alle öffnen. Leider beendeten Feuerwehr, SEK und Polizei die Aktion nach wenigen Stunden. Heute, am 01.01.2012 endet das Mietverhältnis der Polizei. Das Gebäude steht nun zum Verkauf und ein Abriss ist nicht unwahrscheinlich.

Im vergangenen Jahr hat es viele erfolgreiche Besetzungsaktionen in Hannover und anderswo gegeben, aber es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass darauf Strafbefehle und Prozesse folgen können. Auch damit müssen wir einen kämpferischen und offensiven Umgang finden. Uns ist durchaus bewusst, dass wir dabei aus einer privilegierten Situation heraus handeln. Andere sind viel unmittelbarer gezwungen, ihre Existenz durch kriminalisierbares Handeln zu sichern und laufen Gefahr, nicht nur die Repressionen alleine tragen, sondern auch mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung als Kriminelle leben zu müssen. Kriminalisierung erfolgt in den unterschiedlichsten Bereichen, unterteilt die Gesellschaft systematisch in Gewinner_innen und Verlierer_innen und dient dem Staat zur Aufrechterhaltung seiner Macht.

Gegen Staat, Kapital und Repression!

Freiheit für alle Gefangenen!

Alte Bullenwache geräumt

Bulle: „Sie wissen schon, was das für ein Gebäude ist?“
Besetzer_in: „Ist doch gar kein Problem, sie haben doch alle Akten schon draußen.“
Bulle: „Ja, aber Sie müssen verstehen… wie sieht das denn aus in der Öffentlichkeit. Polizeiwache besetzt! … das ist ja schon ein Prestigeobjekt.“

So verlief der erste Kontakt etwa eine halbe Stunde nachdem die ehemalige Polizeiinspektion in Hannover Linden (PI West) besetzt worden war. Da sich die Besetzer_innen weigerten das Gebäude freiwillig zu verlassen, rückte kurze Zeit später ein Großaufgebot an. Die Cops hatten vorerst keine Möglichkeit die Aktivist_innen, die das Haus massiv verbarrikadiert und sich aufs Dach zurückgezogen hatten, zu räumen. Pech für die Bullen, die ihre Schlüssel nach ihrem Auszug vor drei Wochen im Haus gelassen hatten, und deswegen zusätzlich sämtliche Zwischentüren einschlagen mussten, um bis zu den Besetzer_innen vorzudringen. Zeitgleich kam das SEK Knüppel schwingend über eine Drehleiter der Feuerwehr aufs Dach. Ein Aktivist hatte sich bis auf halbe Höhe abgeseilt und musste von der Höhenrettung des SEK „geborgen“ werden. Die restlichen auf dem Dach befindlichen Personen wurde teilweise durchs Haus abgeführt und teils per Drehleiter nach unten gebracht.

Die Räumung dauerte mehrere Stunden. Insgesamt wurden 13 Personen in Unterbindungsgewahrsam genommen und über Nacht in Zellen gesperrt. Mittlerweile sind alle wohlbehalten zurück.

Die ganze Aktion wurde lautstark von Sympathisant_innen und Anwohner_innen begleitet. Zwischenzeitlich kam es zu Rangeleien und mehrere Personen bekamen Platzverweise. Die Stimmung war gut, was auch daran lag, dass es den Besetzer_innen immer wieder gelang Unmengen ausgefüllter Strafzettel aus den Archiven vom Dach zu werfen und damit die Umstehenden zu erheitern.

Das vorbeikommende Partypublikum, erstaunt über den Feuerwehreinsatz:„Was habt ihr denn da für ne miese Katze aufm Dach?“
Tja, die mieseste Katze, die die PI West jemals gesehen hat…

Ehemalige Polizeiinspektion-West besetzt!

Freitag Abend haben wir die ehemalige Polizeiinspektion West in der Gartenallee 14 in Linden-Mitte besetzt. Die Bullen sind dort im Oktober ausgezogen. Wir sind eingezogen und wollen in den Räumen ein Autonomes Stadtteilzentrum entstehen lassen!

Das Bedürfnis nach einem selbstverwalteten, unkommerziellen Ort in Linden ist nicht neu.
Bereits im Juni wurde ein Gebäude an der Limmerstraße 98 für fünf Tage besetzt. Diese Aktion war die Initialzündung für die Kampagne Ahoi, die seit dem mit verschiedenen Aneignungsaktionen im öffentlichen Raum aufgefallen ist, zuletzt mit der Besetzung des Ihmeplatz 8 Ende September. Nachdem auch diese Besetzung geräumt wurde und der Zustand der verspekulierten Immobilie ohnehin nicht für eine Nutzung in Frage kam, haben wir jetzt endlich Räume gefunden, die den Anforderungen an ein Autonomes Stadtteilzentrum auch gerecht werden (von den Gewahrsamszellen im Keller mal abgesehen).
Ein umfangreiches Kulturprogramm bringt bereits dieses Wochenende selbstorganisiertes Leben in die alte Bullenbutze. Voküs, Infoveranstaltungen, Konzerte und Lesungen sind nur einige davon (ein ausführliches Programm findet ihr auf unserem Blog kampagneahoi.wordpress.com)

Das neue Stadtteilzentrum befindet sich nicht zufällig in Linden. Es handelt sich um einen Stadtteil, in dem sich Verdrängungsprozesse anhand konkreter Lebensrealitäten zunehmend veranschaulichen lassen und verstärkt eine dementsprechende Bereitschaft festzustellen ist, sich diesen Entwicklungen zu widersetzen. Das hat insbesondere die Besetzung der L98 gezeigt, die nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Stadtentwicklung von unterschiedlichen Menschen getragen wurde. Während mit dem Gilde Carre (http://www.ostland.de/gilde_carre/) quasi ein Stadtteil im Stadtteil entstanden ist, sorgt derzeit u.A. die Immobilienfirma WohnWert GmbH dafür, dass sich Verdrängungprozesse nicht mehr mit dem Verweis auf Statistiken unter den Teppich kehren lassen, sondern für viele zur beschissenen Realität geworden sind. So versucht WohnWert mehrere kleine, alteingesessene Geschäfte auf der Limmerstraße mittels verschärften Mietkonditionen loszuwerden, um die Räumlichkeiten zusammen zu legen und es an die Kette Denn’s Bio zu vermieten. Die Mietwohnungen direkt über den Geschäften sollen ebenfalls saniert und vergrößert werden. Ob sich die Bewohner_innen danach die Miete noch leisten können darf bezweifelt werden, deswegen findet bereits eine Vernetzung innerhalb des Hauses statt.
Ein paar Hausnummern weiter runter, auf der Limmerstraße 56, hat WohnWert die meisten Mieter_innen bereits vergrault, mit Todesfolge (http://antimilitarismus.blogsport.de/images/nr7web.pdf, Seite 41). Lediglich ein Mieter weigert sich weiterhin, seine Wohnung zu verlassen. Diese Entwicklungen zeigen, dass Widerstand immer notwendiger wird – dafür brauchen wir ein autonomes Stadtteilzentrum.
Das Erreichen dieser Forderung ist jedoch nicht der Endpunkt unserer Kampagne. Vielmehr ist ein Zentrum die Basis für Vernetzung im Stadtteil und eine Vorraussetzung, diesen Entwicklungen effektiv etwas entgegensetzen zu können.
Also kommt vorbei und helft mit das Autonome Stadtteilzentrum durchzusetzen!

Gentrifizierung sabotieren!
Rote Flora und Zomia bleiben!
Bullenwachen zu Autonomen Zentren!

Besetzung und Räumung im Ihme-Zentrum – eine Stellungnahme

Am Montag, dem 26.09. wurde die Besetzung im Ihme-Zentrum von der Polizei geräumt. Gegen 11.30 Uhr stürmten sie das Gebäude ohne vorherige Aufforderung es freiwillig zu verlassen. Die Instandbesetzung der Ladenfläche am Ihmeplatz 8 stand im Zusammenhang mit der Räumung des Kukutza III, einem Kulturzentrum in Bilbao, dass 13 Jahre lang Platz für Kunst, Kultur und Politik bot. Trotzdem sollte es sich dabei nicht nur um eine symbolische Solibesetzung handeln – in den Räumlichkeiten wäre in Kürze das „Autonome Stadtteilzentrum Linden“ entstanden. Der Anfang davon war bereits am Wochenende zu sehen, hören und schmecken. So wurde der vor sich hin gammelnde Raum zunächst so weit wie möglich von Staub und Schwarzschimmel befreit, als spontanes Kulturprogramm fand eine Lesung der Novelle „Lenz“ von Georg Büchner statt, zu Essen gab es Chilli sin Carne und vor der Tür eröffnete ein Umsonstladen. Ein lyrisches Konzert mit Brecht-Texten konnte auf Grund der Räumung nicht mehr umgesetzt werden.

Die Reaktionen der Anwohner_innen auf die Besetzung waren sehr unterschiedlich. Während viele erfreut waren und teils mehrmals täglich vorbeikamen, waren andere erst einmal skeptisch. Einige Bedenken wurden in persönlichen Gesprächen ausgeräumt und wir konnten deutlich machen, dass wir einen Raum schaffen wollen, in dem sich die Nachbar_innen willkommen fühlen. Pläne, wie die eines Nachbarschaftsfrühstücks oder einer Anwohner_innen Vollversammlung, wurden ebenfalls durch die frühzeitige Räumung durchkreuzt.

Auf der anderen Seite gab es auch eine ganze Reihe von Menschen, die sich mit ein bisschen Leben in einem tristen Betonklotz einfach nicht anfreunden können – die bürgerliche Eigentumsideologie verbietet es ihnen. Sie scheint so tief in den Köpfen der Menschen verankert, dass geltendes Recht, das somit Legale, den Rahmen für das Legitime festlegt oder beide Worte gar zu einem Synonym verschmelzen. Recht wird mit Gerechtigkeit gleichgesetzt. Mit dieser Logik wurden wir das ganze Wochenende konfrontiert. Die Anhänger_innen dieser Ideologie argumentierten wütend-fragend, wie wir reagieren würden, wenn einfach fremde Leute kommen würden, die uns unser Eigentum wegnehmen wollen. Und ganz ehrlich, wir würden das ziemlich scheiße finden. Das liegt nun mal daran, dass all das bisschen Eigentum, das wir besitzen, einen konkreten Nutzen in unserem Alltag für uns erfüllt und unsere Bedürfnisse befriedigt. Ob es der Herd ist, an dem wir kochen, das Fahrrad, mit dem wir zur Schule, Arbeit oder Uni fahren, oder die Couch, auf der wir danach oder stattdessen chillen. So ist das Verhältnis der allermeisten Menschen weltweit zu ihrem Eigentum, nicht aber von Allen. Ein kleiner Teil der Gesellschaft verfügt darüber hinaus über Eigentum, das sie nur besitzen, um aus Geld noch mehr Geld zu machen. Ihr Bezug zu diesem Eigentum besteht einzig in Profitmaximierung. Das funktioniert nur durch die Ausbeutung der Arbeitskraft Anderer. An einem ganz einfachen Beispiel lässt sich diese Aneignungspraxis veranschaulichen: Eine Bauarbeiterin hat in ihrem Leben wahrscheinlich schon ein dutzend Häuser gebaut, trotzdem wohnt sie selbst immer noch in einer kleinen Wohnung, die nicht einmal ihr gehört.

Selbst nutzen wollte die Eigentümerin, die Immobiliengesellschaft Simchen-Gruppe, die Räumlichkeiten des Ihmeplatz 8 nie. Es war und ist ihnen scheißegal was damit passiert, solange es sich rentiert. Und weil sich im Ihme-Zentrum wie bekannt nichts rentiert, gammeln die Räume seit Jahren vor sich hin. Am Montag hat dann die Staatsgewalt dafür gesorgt, dass sie dies auch weiterhin tun werden. Der Versuch viel Arbeit in ungenutzten und in sich verfallenden Raum zu investieren, um diesen in Form eines Stadtteilzentrums zu vergesellschaften und mit Leben und Nutzen zu füllen, ist damit ein weiteres Mal gescheitert. Dafür werden die, die diesen Versuch unternommen haben, mit juristisch zweifelhaften Hausverboten für das gesamte Ihme-Zentrum und Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs belohnt.

Aber wie wir wissen: Nach der Räumung ist vor der Besetzung. Wir werden nicht weiterhin zusehen, wie sich unser Stadtteil entlang spekulativer Profitinteressen entwickelt. Wir wollen Stadt selber machen!

Um einen Raum zu haben, um uns gegen Verdrängungsprozesse organisieren zu können, brauchen wir ein Autonomes Stadtteilzentrum!

In Linden fehlt ein Ort, den Menschen im Stadtteil selbst gestalten, um ein Leben abseits von Herrschaft und Unterdrückung erproben zu können.

Das Plenum der Kampagne Ahoi trifft sich mittwochs um 20 Uhr in der Glocksee (Glockseestr.35), also kommt vorbei und helft mit, das Autonome Stadtteilzentrum durchzusetzen!